Studieren in einem fremden Land

Edwin Kung Eu Win und Kafka Woo Wei Jie haben vor einem Jahr in Singapur ihre Koffer gepackt und sind mit einem neuen dualen Studienprogramm nach Mannheim gekommen. Edwin studiert Mechatronik und Kafka Wirtschaftsingenieurwesen. Wie ist es in einem fremden Land zu studieren? Fiel es ihnen schwer Deutsch zu lernen? Und welche Pläne haben sie für die kommenden Semesterferien? Ich habe nachgefragt…

Die Ersten im neuen Studienprogramm POLY-GOES-UAS

Ihr seid mit dem Studienprogramm POLY-GOES-UAS (University of Applied Science) hier in Deutschland. Was ist das genau?

Kafka: Mit dem dualen Programm POLY-GOES-UAS können Studenten ein Bachelorabschluss machen und gleichzeitig erste Berufserfahrungen in Deutschland sammeln. 2014 wurde es für Absolventen unserer polytechnischen Schule in Singapur eingeführt. Dieser Austausch wird vor allem mit deutschen mittelständischen Familienunternehmen, die Marktführer in ihrer Branche sind, durchgeführt. Pepperl+Fuchs ist eines davon. Wir haben beide an der Polytechnic unseren Schulabschluss mit dem Schwerpunkt Engineering gemacht und sind nun als erster Jahrgang in Deutschland bei Pepperl+Fuchs.

DEUTSCHE SPRACHE, SCHWERE SPRACHE

Wie habt ihr euch auf diesen neuen Lebensabschnitt vorbereitet? Hattet ihr vorab schon Deutsch gelernt?

Edwin: Ja, bevor es nach Deutschland ging, mussten wir zunächst einen achtmonatigen Deutschkurs mit einer abschließenden Sprachprüfung in Singapur besuchen. Dies ist eine Voraussetzung zum Studium an der Dualen Hochschule. In Deutschland angekommen ging es dann drei Monate an die Duale Hochschule zum weiteren Deutsch lernen. Erst dann hat das Studium begonnen.

Kafka: Ich war für ein Auslandspraktikum schon einmal für dreieinhalb Monate in Stuttgart. Aber ein komplettes Studium ist natürlich etwas ganz anderes. Damals war es nicht notwendig Deutsch zu können, für das Studienprogramm brauchte ich es jetzt dringend. Wir hatten aber auch Glück, dass wir zu zweit waren. Wenn es darauf ankam, hatten wir immer einen Ansprechpartner, der unsere Muttersprache spricht und auch die gleichen Erfahrungen gemacht hat. Inzwischen haben wir aber auch deutsche Freunde. Der Alltag bringt aber immer noch so manche Überraschungen mit sich. Der Friseurbesuch ist hier beispielsweise viel teurerer als in Singapur. Deshalb schneide ich meine Haare selbst.

Kafka: „Der Alltag in Deutschland bringt so manche Überraschung mit sich.“

Und dann ging das Studium los. Wie habt ihr das erste Semester gemeistert?

Kafka: Besonders in der Theoriephase im Studienprogramm hatte ich fast keine Freizeit, da ich in den Vorlesungen nicht viel verstanden habe. Ich musste im Nachhinein alle Vorlesungen aufarbeiten und viel in Fachbüchern nachlesen. Meine Kommilitonen waren zusätzlich eine große Hilfe für mich. Wir haben uns regelmäßig zusammengesetzt und sind die Themen der Vorlesung nochmal durchgegangen. Diesen Tipp würde ich auch den Neuen geben. Außerdem ist es auch hilfreich sich schon in der Praxisphase mit der nächsten Theoriephase auseinander zusetzen und sich darauf vorzubereiten. Ich hoffe, dass ich mit der Zeit die Dozenten immer besser verstehen kann, denn die Themen werden komplizierter.

Edwin: Anfangs war vor allem die Sprache die größte Herausforderung für mich. Zum Glück kannte ich viele Themen der Vorlesungen bereits und konnte mich mehr auf die Sprache konzentrieren. Deshalb waren mir Fächer mit Zahlen, wie Mathe, lieber, aber inzwischen verstehe ich so gut wie alles in den Vorlesungen. Das Lernen dauert zwar etwas länger, aber durch das Internet konnte ich mir Themen nochmal erklären lassen. Deswegen brauchte ich in den Klausuren so gut wie kein Wörterbuch und konnte sie gut bestehen.

UFF DE SCHÄNAU ZUM PEPPERL

Und die erste Praxisphase? Wie habt ihr die erlebt?

Edwin: Mir gefällt die Praxisphase besser als die Theoriephase. In dieser Zeit kann ich mich nach der Arbeit ausruhen und habe mehr Zeit für mich. Ich konnte auch schon interessante Abteilungen wie den Messebau und das Prüflabor sehen. Dort habe ich mich sehr schnell wohl gefühlt, weil alle Kollegen zu mir nett und hilfsbereit waren.

Edwin: „Meine erste Station bei Pepperl+Fuchs war der Messebau.“

Kafka: Die Praxisphase war natürlich auch für mich sehr spannend und ich habe ständig neue Sachen erlebt. In der Produktion und auch im Vertrieb hatte ich immer offene und hilfsbereite Kollegen. Das hat auch mir geholfen, mich schnell zurecht zu finden. Meine Betreuer waren immer sehr geduldig und ich wurde gut unterstützt. Auch die ersten typischen deutschen Sprichwörter wie: „Viele Wege führen nach Rom“ und auch ein bisschen Monnemerisch“ habe ich gelernt.

UND IN ZUKUNFT?

Das erste Jahr ist rum. Was ist euer Fazit?

Kafka: Ich schätze die Chance, die ich durch das Studienprogramm bekommen habe, sehr. Durch die Zeit hier habe ich die Möglichkeit mich selbstständig in einem fremden Land zurecht zu finden und eine neue Kultur und auch unterschiedliche Bereiche in einem Unternehmen kennenzulernen. Aber nach einem Jahr habe ich schon etwas Heimweh. Deshalb werde ich im Januar einen Heimaturlaub in Malaysia machen um meine Familie und Freunde wiederzusehen.

Edwin: Ich werde auch Urlaub machen, aber keinen in der Heimat. Ich möchte Europa weiter entdecken. Außerdem steht nächsten Sommer die T2000-Prüfung an und es werden auch wieder viele Klausuren an der Hochschule geschrieben. Insgesamt muss ich aber sagen, dass mir hier alles viel Spaß macht. Deutschland und Europa sind für mich super interessant. Ich versuche während meiner Zeit hier möglichst viele Erfahrungen zu sammeln.


EDWIN KUNG EU WIN
und KAFKA WOO WEI JIE

Duale Studenten
bei Pepperl+Fuchs seit August 2015

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